Eigentlich könnte die Familie Flynn eine Vorbild-Vorstadt-Familie sein: Mutter, Vater und drei Töchter, sonntags geht man in die Kirche. Eigentlich. Denn die Flynns haben es schwer. Jeder für sich und alle miteinander. Seit Mutter Catherine in einer Sinnkrise beschlossen hat, die Ehe zu öffnen, lebt Vater Bud im Auto in der Garage und findet in der Selbsthilfegruppe Zuflucht, die am wenigsten nach Sekte klingt: die Verlorenen Schäfchen. Auch die Töchter suchen ihre Wege aus der familiären Lebenskrise: Die jüngste, Harper, ist sich sicher, dass sie einer großen Verschwörung auf der Spur ist. Louise befindet sich in einem ungünstigen Beziehungsstrudel mit ihrem fundamentalistischen Online-Lover, während die dritte im Bunde, Abigail, einen schweigsamen jungen Mann namens Kriegsverbrecher-Wes datet. Und all diese Fäden laufen ausgerechnet bei einem zwielichtigen Milliardär zusammen.
Mit hinreißender Lakonie erzählt Madeline Cash von einer Familie kurz vor dem Kollaps in den Turbulenzen unserer durchmodernisierten Welt. »Verlorene Schäfchen« ist der Familienroman der Stunde.
320 Seiten, ISBN: 978-3-328-60451-8, Penguin, 24€
Antike Mythen sind männliche Schöpfungen: Frauen galten als Verführerinnen, Opfer oder Bedrohung. Mara Gold rekonstruiert anhand von 40 Frauenfiguren die weiblichen Archetypen der klassischen Welt - Jungfrau, Hausfrau, Kriegerin, Femme fatale, Hexe, Wahnsinnige, Monster. Die Erzählungen von Circe, Helena, Medea und vielen anderen werden von ihrer historischen Entstehung bis zu ihrer modernen Deutung begleitet. So änderte sich auch die Wahrnehmung von Medusa als vernichtendem Monster hin zum Symbol für berechtigte weibliche Wut über das patriarchalische System. Das Buch zeigt, wie Normen der Antike weibliches Verhalten regulierten, über Jahrtausende fortwirkten und wie gerade das 'Inakzeptable' heutige Heldinnenbilder prägt.
240 Seiten, ISBN 978-3-7558-2027-7 , DuMont, 25€
Eine Frau konserviert über Jahrzehnte alle ihre Lebensmittel, ohne sie jemals zu essen. Im Ferienlager wachsen Perlen in Kindermündern. Eine Tochter spinnt ihren Vater in einen Kokon aus Haaren ein. Bei Ellika Lagerlöf wird das Groteske zur Normalität. Ihre Erzählungen haben alle den menschlichen Körper zum Gegenstand - seine Funktionen, Formen, Sekrete und Potenziale. Mit radikaler Phantasie sprengt sie die Logik und die Grenzen des Vorstellbaren, treibt ihre Plots an die roten Linien, die das sprachlich Ästhetische vom Ekligen trennen und einen Lesesog auslösen, dem man sich nicht entziehen kann. Ein gefeiertes Debüt aus Schweden, das verstört, fasziniert und lange nachhallt.
160 Seiten, ISBN 978-3-455-02156-1, Hoffmann und Campe, 24€
Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.
»Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt – und gerade deshalb lesen muss.« Mareike Fallwickl
255 Seiten, ISBN 978-3-351-04284-4, Aufbau, 24€
Tief unter der Erde werden neununddreißig Frauen gefangen gehalten. Während das elektrische Licht Tag und Nacht verschwimmen lässt, sitzt ein junges Mädchen – die vierzigste Gefangene – allein und ausgestoßen in der Ecke. »Ich, die ich Männer nicht kannte« ist so feministisch wie »Der Report der Magd« und so existentiell wie »Die Wand«: Ein moderner Klassiker, internationaler Verkaufserfolg und BookTok-Hit in neuer deutscher Übersetzung.
In einem unterirdischen Gefängnis sitzen neununddreißig Frauen. Was übertage geschehen ist, wissen sie nicht: Wurde die Welt verlassen, von einem Virus verwüstet? Die Frauen können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangt sind, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur eine vage Ahnung von ihrem alten Leben. Ihre Aufseher, sechs schweigsame Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen und berühren sie nur, um sicherzustellen, dass keine von ihnen versucht, sich das Leben zu nehmen. Eines Tages ertönt ein Alarm, und die Wachen verschwinden; die Tür steht offen. Als erste wagt jene vierzigste Gefangene den ersten Schritt, die nichts als das Gefängnis kannte. Doch anders als erhofft, finden die Frauen draußen nicht die Freiheit, sondern eine Welt, die sie nicht wiedererkennen und in der sie lernen müssen, sich gemeinsam zurechtzufinden.
224 Seiten, ISBN 9978-3-608-96670-1, Klett Cotta, 24€
Als Erwachsene blickt Tanja auf ihre gestohlene Jugend zurück und fragt sich: Warum hat niemand sie beschützt?
1980: Tanja wächst in einer Künstlerfamilie auf. Ihre Eltern sind mit der Karriere des Vaters und ihrer zerrütteten Ehe beschäftigt, während sie einsam und voller Sehnsucht davon träumt, eine Frau zu werden. Auf einer Vernissage in Kopenhagen begegnet sie als 14-Jährige dem charismatischen Schriftsteller Eg. Er macht ihr Komplimente, spricht mit ihr wie mit einer Erwachsenen. Eg beginnt, ihr lange, gefühlvolle Briefe zu schreiben. Tanja ist neugierig und erlebt ihre erste Verliebtheit. Doch das Erwachen von Sexualität wird zu einer verwirrenden und schmerzhaften Erfahrung, die sie für immer prägen wird.
Ulrikka S. Gernes erzählt schnörkellos und doch poetisch von einer Frau, die versucht, eine Verbindung zu dem Mädchen herzustellen, das sie einmal war. Eine radikal mutige Geschichte über Macht und Resilienz, die in Dänemark Tausende Leserinnen und Lesern eroberte.
384 Seiten, ISBN 978-3-9894108-2-4, Gutkind Verlag, 24€
Um Jungs machte sie lange einen Bogen, denn Miriam Davoudvandi wusste, jeder Typ muss irgendwann ihre Wohnung von innen sehen: im schäbigen Sozialbau inmitten von Einfamilienhäusern, die vollgestellten Zimmer, das abgenutzte Bad. Die Scham, nichts bieten zu können und nicht dazuzugehören, prägte Miriam Davoudvandi spätestens seit ihrer Einschulung - und sie ist bis heute ein Teil von ihr. Inzwischen ist sie sozial aufgestiegen und verdient mehr, als ihre Eltern es je taten. Ihr Fazit: Geld macht sogar sehr glücklich. Aber zu welchem Preis? Und welche Spuren haben ihre Erfahrungen hinterlassen? Ehrlich und berührend erzählt Miriam Davoudvandi, was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein. Dabei blickt sie nicht nur auf die offensichtlichen Schauplätze von Armut, sondern auch auf Aspekte wie Dating, Freundschaften, Familiengründung und Psyche, auf die Bedeutung des Fernsehers und das Leben als erste Studierende der Familie. Und zeigt, warum Arme sogar beim Sterben benachteiligt sind. Armut lässt sich vielleicht bemessen. Zahlen helfen jedoch nicht zu verstehen, wie sich Armut anfühlt und was sie langfristig mit Menschen macht. Umso wichtiger ist es, Miriam Davoudvandis Geschichte zu hören. Sie spricht auch für all jene, die bisher keine Stimme hatten.
256 Seiten ISBN 978-3-442-76329-0, btb, 18€
Tagsüber mit Senior:innen im Altersheim Interviews für eine wissenschaftliche Studie führen, nachts ungeschützter Sex mit fremden Männern: Frustriert von ihrem schlecht bezahlten Uni-Job und ihren erfolglosen Versuchen, schwanger zu werden, beschließt die Erzählerin von Mammut, in ihren rostigen Peugeot zu steigen und die Stadt zu verlassen. Was sie sucht, ist ein ursprünglicheres, einfacheres Leben, fernab der Gesellschaft und der Menschen, die sie so unerträglich machen. Doch auch auf dem Land sind die Mieten wucherisch, und das Geld reicht gerade mal für ein halb verfallenes Bauernhaus. Was sie dort findet, ist kein ländliches Idyll, sondern ein arbeits- und entbehrungsreicher Alltag. Sie putzt, hackt Holz, legt Vorräte für den Winter an und gibt Lämmern die Flasche. Ihre einzige Gesellschaft: ein alter Schäfer und ein dreckiger Hund. Und schon bald wird sie eins mit ihrer Umgebung, als würde das Wilde wie ein Keim in ihr austreiben.
Schonungs- und schnörkellos und mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor schreibt Eva Baltasar über die Widersprüche des modernen Lebens und der Versuche, daraus auszubrechen. Eine ungewöhnliche Aussteigerinnengeschichte, die auf beklemmend-faszinierende Weise das Urzeitliche freilegt, das noch immer in uns schlummert.
112 Seiten ISBN 978-3-69097-007-5 , Schöffling, 20€
Maja Iskras kraftvolles und emotionales Debüt ist eine Emanzipationsgeschichte im Belgrad der 1990er Jahre
Schlagkräftig, anspruchsvoll und mit großer Wirkung. Was für den Aufwärtshaken gilt, stimmt auch für Maja Iskras Debütroman 'Uppercut'. Die Protagonistin, eine junge Frau, die in Wien lebt und liebt, erinnert sich an ihre Kindheit im Belgrad der 1990er Jahre. Der Krieg ist hier fast nur als Rauschen im Hintergrund wahrnehmbar, aber das Leben zu Hause, auf der Straße und in der Schule ist hart und brutal, auch die Mädchen prügeln sich. Aber sie versöhnen sich auch wieder, lernen einander zu respektieren und zu ermutigen. Sie geben nicht auf. Ergreifend, in einem fast telegrafischen Stil und mit einem Trommelfeuer aus popkulturellen und literarischen Referenzen feiert 'Uppercut' den Sieg einer ganzen Generation über die widrigen Umstände.
160 Seiten, ISBN 978-3-552-07573-3, Zsolnay , 23€
Als Marissa mit sechs Jahren ihre Mutter verliert, beschließt ihr Vater, ein Meeresbiologe, die Forschungsarbeit seiner Frau fortzuführen. Vater und Tochter gehen nach Thailand. Dort trifft sie Arielle, und eine geradezu märchenhafte Freundschaft entsteht. Unter der Woche leben die Mädchen in dem Resort von Arielles Eltern; an den Wochenenden verbringen sie ihre Zeit mit Marissas Vater auf einer nahe gelegenen Insel. Gemeinsam entdecken die Mädchen die zerbrechlichen Wunder der Riffe, Wälder und Strände. Gemeinsam lernen sie, in die Tiefe zu tauchen und minutenlang den Atem anzuhalten. Sie bewegen sich ebenso mühelos im Wasser wie die Mantarochen, die sie mit Namen kennen. Gemeinsam lernen sie, aus Gefahren herauszuschwimmen. Doch dann kommt eine riesige Welle, der Arielle nicht entkommen kann. Jahre später ist Marissa zurück in New York, orientierungslos und verfolgt von der Erinnerung an ihre Freundin, erneut bedroht durch eine Naturkatastrophe. Als im Laufe zweier schicksalhafter Tage die Vergangenheit zurückkehrt, entdeckt sie, wie sie sich in einer unsicheren Welt behaupten kann.
208 Seiten, ISBN 978-3-7558-0055-2, DuMont, 23€
Ein großer amerikanischer Roman darüber, was uns zu denen macht, die wir sind Der große Bestseller aus den USA - so ein Buch gibt es nur alle zehn Jahre! Ein Sommer in New York, der alles verändert. Ein Sohn auf der Suche nach seiner Herkunft. Und die große Frage: Was macht uns zu dem, was wir sind? Sie werden dieses Buch nicht aus der Hand legen können. New York City, Silvester 1999. Lily Chen ist 22, Tochter chinesischer Einwanderer und unbezahlte Praktikantin in einem hippen Medienunternehmen. Als sie Matthew trifft - charmant, privilegiert, Erbe eines Pharmaimperiums -, verliebt sie sich. Zwei Welten prallen aufeinander. Und doch scheint alles möglich. 21 Jahre später lebt Lilys Sohn Nick mit ihr auf einer abgelegenen Insel. Er spürt: Etwas fehlt. Als er nach seinem Vater sucht, stößt er auf Geheimnisse, die alles verändern - nicht nur für ihn.
528 Seiten, ISBN 978-3-462-00572-1, Kiepenheuer & Witsch, 24€
Die Künstlerin Kira, Mitte Vierzig, lebt mit ihrem Ehemann Vau und zwei jugendlichen Söhnen in Berlin. Eines Tages verabschiedet Vau sich mit den Worten: Ich liebe dich nicht mehr. Und als wäre das nicht genug, hat er auch noch eine Neue, jünger und bald auch schwanger. Kira muss sich entlieben, doch wie soll das nach 20 Jahren Ehe gehen? Von nun an schlägt sich Kira durch den Alltag, macht eine Weiterbildung - das Künstlerinnendasein allein reicht zum Leben nicht -, hat neue und wiederkehrende Liebhaber, versucht, eine gute Mutter zu sein, uns stellt fest, dass sie sich zwar nie trennen wollte, mit jedem Tag des Getrenntseins aber auch Erleichterung verspürt. Irgendwann erkennt sie: es ist höchste Zeit, neuen Mut zu fassen und das Leben mit Karacho zuzulassen. Unverstellt und eindringlich erzählt Susanne Schirdewahn vom Frau-Sein, vom Mutter-Sein, vom Scheitern und Wiederaufstehen, und fragt sich dabei, wie frau es schaffen kann, im eigenen Leben die Hauptrolle einzunehmen.
176 Seiten, ISBN 978-3-86391-462-2, Verlag Voland & Quist, 22€
Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Eben hat sie noch 'schlechter Mensch' gegoogelt, jetzt ist sie auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den 'Schwerverbrecherinnen', die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus. Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint - bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.
192 Seiten, ISBN 978-3-518-43300-3, Suhrkamp, 22€
Nach dem Tod von Mahsa Jina Amini im September 2022, der landesweite Proteste auslöste, geht auch Nila auf die Straße. Die Angst ist der ständige Begleiter der Frauen, die gemeinsam für ihre Rechte kämpfen - bedroht und eingeschüchtert von der berüchtigten Sittenpolizei, die wahllos verhaftet, foltert und tötet.
Eindringlich und bewegend schildert Nila ihre persönlichen Erfahrungen als Aktivistin auf den Straßen Teherans und setzt diese in den Kontext einer langen Geschichte weiblicher Stärke in Iran.
Ein mutiges Zeugnis, das einen tiefen Einblick in die gegenwärtigen Proteste und die anhaltende Unterdrückung in Iran bietet.
144 Seiten, ISBN 978-3-691-31008-5, Pfaueninsel, 20€
Du hast alles verloren. Aber du bist nicht allein.
Tarek, Nata , Ren und der kleine, verwilderte Tuk lernen sich kennen, als sie in den letzten Kriegstagen in die bereits völlig desolate Armee eingezogen werden. Als sie nur mit ein paar Spaten bewaffnet aufs Schlachtfeld ziehen sollen, desertieren sie. Sie alle haben Geheimnisse, über die sie nicht sprechen. Jeder hat Unerträgliches erlebt, tief sitzen Scham und Schrecken. So zusammengeschweißt werden sie einander zur Familie. Bis ein Dilemma ihre Verbundenheit in Frage stellt.
Kann man den Hass auf ein Volk überwinden, mit dem man im Krieg ist? Kann man lieben, wenn man schlimmste Gewalt erlebt hat? Kann man moralisch bleiben in einer zerstörerischen Welt? Diese Fragen verwebt Eva Kranenburg auf einfühlsame Weise zu einer soghaften Geschichte. Sie erzählt ehrlich bis an die Schmerzgrenze, setzt der Brutalität der Nachkriegswelt jedoch immer auch Licht entgegen: Figuren, die sich einem tief ins Herz schreiben – und ihre unerschütterliche Freundschaft zueinander.
Ein zeitloses und universelles Plädoyer für Menschlichkeit
Ein eindrücklicher und bewegender Antikriegsroman für junge Lesende ab 13 Jahren und auch für Erwachsene
Ein Debütroman mit der durchschlagenden Kraft von Janne Teller
Ausgzeichnet mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2025
448 Seiten, ISBN 978-3-7373-7499-6, Fischer Sauerländer, 18,90€
Die Gesellschaft rückt nach rechts, der gebärfähige Körper wird zum Politikum. Bestechend klug analysiert Sibel Schick, warum mit unseren Körpern keine Politik gemacht werden darf. Dass Schwangerschaftsabbrüche Leben retten können, hat Sibel Schick am eigenen Leib erfahren. Und auch, gegen welche Widerstände sie ankämpfen musste, bevor der rettende Eingriff durchgeführt wurde. Körperliche Selbstbestimmung ist aber keine Privatsache: Ob und unter welchen Bedingungen wir Kinder bekommen wollen, ist hochpolitisch. Reproduktive Freiheit wird heute unter Strafe gestellt, Staaten bestimmen über den Zugang zu medizinischer Versorgung - auch in Deutschland. Berührend und kämpferisch zeigt Schick, dass echte Gerechtigkeit in einer gemeinsamen Befreiung liegt.
208 Seiten, ISBN 978-3-10-397755-4, Fischer S., 23€
Ein zweifelhafter Hinweis genügt und schon wird die zehnjährige Lucy des Mordes an einer jüngeren Spielgefährtin verdächtigt. Der Fall spaltet die Gesellschaft. Denn während das Opfer aus gutem Hause kam, lebt Lucy Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Südlondoner Sozialsiedlung. Lucy ist schon häufiger auffällig geworden, und Carmel ist vor allem Männern ein Dorn im Auge. Sie ist schön, aber abweisend, gebrochen und unerreichbar. Als ein Journalist versucht, Carmels Vertrauen zu gewinnen, bahnt sich eine mediale Hetzjagd an, angefeuert von Fremdenhass und Misogynie. Und Carmel und Lucy blicken erneut in die Abgründe, die sie aus Irland hierhergeführt haben.
'Adolescence' hat uns wachgerüttelt, was männliche Täterschaft angeht. Aber was, wenn die Täterin ein Mädchen ist?
Eine packende, psychologisch scharfsinnige Geschichte über Klasse und Trauma, Scham und Gewalt.
256 Seiten, ISBN 978-3-910372-63-4, Kjona Verlag, 24€
»Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.«
Anti Müller ist kein Liebesroman. Es ist eine schonungslose Analyse verkrusteter Strukturen und ihrer sanften Vollstrecker, unter deren lackierten Nägeln noch immer der Schmutz des Patriarchats lauert.
Mit großer poetischer Präzision seziert Yade Önders Erzählerin die Mechanismen moderner Beziehungen sowie eines vermeintlich feministischen Kulturbetriebs, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt. Über die Bühnen. Und über die Körper.
240 Seiten, ISBN 978-3-9881606-5-2, park x ullstein, 23€
Der neue Roman der preisgekrönten britischen Kultautorin: Zwei junge Menschen in einem feindlich gesinnten Staat, in dem die Vergangenheit entgleitet und jeder Widerstand unmöglich scheint.
'Was Gliff bedeutet: Ein kurzer Augenblick. Eine leise Ähnlichkeit. Eine unverhoffte oder zufällige Aussicht. Ein flüchtiger Blick. Ein unvermittelter Schauder. Ein Wink. Etwas Schlaf. Ein Anflug von Krankheit, leichtes Angeschlagensein. Ein Hauch. Ein Schrecken. Ein Schock. Ein Beben. Ein Wimpernschlag.' Es war einmal, in nicht allzu weiter Zukunft: Zwei Geschwister, Bri und Rose, müssen sich von ihrer Mutter trennen, weil diese in einer weit entfernten Stadt Arbeit findet. Als die beiden nach Hause kommen, entdecken sie eine Linie aus noch nasser roter Farbe, die ihr Grundstück umgibt. Was hat das zu bedeuten, in diesem Land, das seine Einwohner mithilfe von Technologie streng kontrolliert und völlig entmenschlicht? Bri und Rose jedenfalls vermuten nichts Gutes und verstecken sich in einem leer stehenden Haus am anderen Ende der Stadt. Dort treffen sie bald auf eine Gruppe von Widerständlern, auf ein Pferd namens Gliff, und auf eine neue Form des Überlebens. 'Gliff' erzählt mit Verweisen auf Klassiker der dystopischen Literatur eine elektrisierende, und so märchenhafte wie erschreckende Geschichte über zwei junge Menschen auf der Suche nach Halt in dieser schönen neuen Welt. Ali Smith zeigt uns, 'wo Tapferkeit und Güte über Gefahr und Angst triumphieren.' (Financial Times)
304 Seiten, ISBN 978-3-630-87817-1, Luchterhand, 25€
Der schlimmste Liebesroman, den man sich vorstellen kann.
»Toxibaby« ist ein schonungsloser, zugleich zärtlicher Roman über die Suche nach Liebe, die uns heilt – und die uns zerstören kann. Dana von Suffrin erzählt von einer Beziehung, die alles will: Rettung, Erkenntnis, Erlösung. Mit scharfem Witz und großer erzählerischer Kraft seziert sie die Beziehungsunfähigkeit einer ganzen Generation.
Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund – und trotzdem funktioniert überhaupt nichts. Herzchen ist die gefeierte Millennial-Schriftstellerin, die alles hat, noch mehr will, und doch unglücklich ist, Toxibaby ist Anfang vierzig und meint, die Last der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen.
Doch für Herzchen ist er der Mann, der ihr alles bedeutet und der ihr alles nimmt. Er ist schön, brillant, wütend auf die Welt – und auf sie. Was als rauschhafte Liebe beginnt, wird zu einem Kampf um Nähe und Selbstbehauptung, ein Spiel aus Hingabe, Abhängigkeit und intellektuellem Kräftemessen.
240 Seiten, ISBN 978-3-462-00979-8, Kiepenheuer & Witsch, 23€
Lina Muzur erhält 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen - eine moderne Bestandsaufnahme einer ganzen Generation und ein kollektives Porträt weiblicher Realität.
Wie leben Frauen heute? Wie gehen sie um mit Schicksalsschlägen, dem gesellschaftlichen Wandel, dem Älterwerden, der Erschöpfung? Dies ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, in der die Frauen selbst zu Wort kommen. Frauen, die wütend sind, die alleinerziehend sind, die ihre Heimat verloren haben, ihre Eltern, ihre Nerven. Sie haben kleine oder große Kinder, die sie lieben, aber sie sind zerrissen. Es geht ihnen gut, sagen sie. Sie hatten Glück im Leben, sagen sie. Sie brauchen ihre Freundinnen mehr denn je, sagen sie. 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen, in denen sie offen, intim und halb anonym über all das sprechen, was man mal abfällig Frauenprobleme nannte. Ein Chor weiblicher Stimmen, der unbeschönigt und radikal zeigt, wo eine ganze Generation steht.
224 Seiten, ISBN 978-3-446-28587-3, Hanser Berlin, 22€
Der neue Roman der Weltbestsellerautorin und British-Book-Award-Gewinnerin Asako Yuzuki! Ein Roman über Besessenheit, Freundschaft und das langsame Zerfallen zweier Leben. Eriko hat einen prestigeträchtigen Job in einer Handelsfirma und ein makelloses Leben, doch unter dieser Oberfläche verbirgt sich eine alles verzehrende Einsamkeit. Sie ist fasziniert von Shoko, einer Hausfrau, die wie eine Katze in den Tag hineinlebt und in ihrem Lifestyle-Blog 'Tagebuch einer nutzlosen Ehefrau' von ihrem hausfrauenunüblichen Alltag berichtet. Als die beiden sich zufällig kennenlernen, entsteht eine besondere Verbindung, die jedoch eine toxische Wendung nimmt, als Shoko plötzlich aufhört zu bloggen und verschwindet. Sie geraten in einen Strudel der Besessenheit, der eine Spur der Verwüstung hinterlässt. 'Tokyo Girls Club' ist ein kühner Roman, fesselnd und mit psychologischem Tiefgang.
383 Seiten, ISBN 978-3-351-05138-9, Blumenbar, 24€
Judith Hermann folgt in 'Ich möchte zurückgehen in der Zeit' den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach.
In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf. Ebenso magisch wie magnetisch erzählt sie davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten - und zeigt auch, welche Schönheit sich darin verbergen kann.
160 Seiten, ISBN 978-3-10-397764-6, Fischer S., 23€
Die Geschichte der zwei Kontinente in mir.
Wie viele Jahre deines Lebens würdest du opfern, damit deine Liebsten die Freiheit spüren können?
Ihre Eltern lernen sich auf einer vietnamesischen Insel kennen. Sie sind arm, aber glücklich miteinander. Als ein Angebot aus der DDR kommt, entschließt sich der Vater, nur für ein paar Jahre dort zu arbeiten. Welche Folgen diese Entscheidung für seine Familie haben wird, kann er da noch nicht abschätzen. Seine Frau und seine Tochter - die Erzählerin des Romans - folgen ihm erst Jahre später nach Deutschland. Dort werden sie jedoch nicht mit offenen Armen empfangen. Immer mehr entlarvt sich das Ankommen als eine Fiktion, aber zurückgehen würde sich wie ein Scheitern anfühlen. "Menschen wie wir" sind die, deren Namen hier niemand richtig aussprechen kann. Die jedes Jahr bangen müssen, ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert zu bekommen. Sie erinnern sich an die Lieder und Gedichte aus der alten Heimat und wollen doch nicht zurück.
Thi Thanh Thao Trân erzählt davon, was es bedeutet, in zwei Sprachen und zwei Ländern zu leben. Sie zeigt, zu welchen radikalen Entscheidungen uns Armut führen kann und welche Opfer wir bereit sind für unsere Liebe zu geben.
288 Seiten, ISBN 978-3-7011-8405-7, Leykam, 25€
Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt geworden: eine allzeit spürbare Präsenz, schmerzlich und tröstlich zugleich. Sie trägt seine Jacke, sie meint, seine Zigarillos im Haus zu riechen, sie liest seine Bücher von Neuem. Und zum ersten Mal seit langer Zeit liest sie ihre eigenen Liebesbriefe, vom Beginn einer gemeinsamen Geschichte, die 43 Jahre währen sollte.
Mit ihrem beispiellosen Trauer-, Gedächtnis- und Liebesbuch nähert sie sich dem unmöglichen Wunsch, Paul zu neuem Leben zu erwecken. Und Paul selbst kommt zu Wort, mit Briefen, die er für den Monate vor seinem Tod geborenen Enkel Miles hinterlassen hat.
In diesem großen Werk der Erinnerung werden Fragen aufgeworfen, die alle Menschen angehen; es lässt eine einzigartige Liebes- und Lebensgemeinschaft wiedererstehen, die des legendär gewordenen Autorenpaars aus Brooklyn.
400 Seiten, 978-3-498-00788-1, Rowohlt, 25€
Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf, jede Wiederholung. Und jede überschrittene Grenze nimmt Amik dafür hin. »Die Routinen« seziert eine Welt, von der jeder ahnt, dass sie hart ist, aber niemand sieht oder sehen will, wie ausbeutend ein System ist, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.
München. Montreal. Tokio. Wenn die olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Aus diesem Wir der Turnerinnen, das in olympischen Jahren denkt, vom Training auf die Waage zu den Wettkämpfen gedrängt wird, entspringt ein Ich, die Turnerin Amik. Sie beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben. Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen »Die Routinen« zu einer atemlosen Leseerfahrung.
272 Seiten, ISBN 978-3-608-96716-6, Klett Cotta, 25€
'Ich schreibe weinend ins digitale Nichts, aber es ist alles real hier bei mir. Ich wäre gerne deine Partnerin und nicht dein Sidekick.' Clara und Nina kennen sich seit Jugendtagen, lange bevor diese Geschichte beginnt. Als sie nach vielen Jahren als erwachsene Frauen wieder aufeinandertreffen, leidet Nina bereits an den ersten Symptomen einer unheilbaren Erkrankung, der Huntington-Krankheit. Die beiden verlieben sich und stürzen sich in eine rasende Liebesbeziehung. Trotz der Distanz zwischen ihren Leben in Berlin und Hamburg entsteht eine intensive Nähe. In ihren Chatnachrichten bricht sich Begehren und Verletzlichkeit Bahn, Alltägliches steht neben Existenziellem. Während Nina trotz ihrer begrenzten Lebenszeit um eine Zukunftsperspektive mit Clara ringt, kämpft diese als alleinerziehende Mutter um Selbstbestimmung in einem Alltag aus Kinderpflege, Studium und Lohnarbeit. Wie lässt sich diese Liebe leben - angesichts der begrenzten Zeit, die Nina und Clara bleibt? Lebendig, berührend und voller Sehnsucht erzählt 'Pizza Orlando' vom Wunsch, der eigenen Geschichte habhaft zu werden. Eine pulsierende, rauschhafte Liebesgeschichte von wahrhaftiger Schönheit. Für Fans von Hengameh Yaghoobifarah, Martina Hefter und Chris Kraus.
'Pizza Orlando ist Reflektieren und Dialog, Erinnern und Verstehen-Wollen. Liebe, Leid, Leidenschaft - ein unglaublich bewegender Text.' Franziska Gänsler
176 Seiten, ISBN 978-3-7530-0115-9, Ecco, 22€
Seit Jahrhunderten werden Frauen unterdrückt. Frauen, die in irgendeiner Weise Stärke ausgestrahlt, sich selbst ermächtigt und zur Wehr gesetzt haben, werden belächelt, verurteilt und dämonisiert. Und all diese Frauen leben in uns weiter - ihre Angst, ihre Freude, ihre Liebe. Und ihre Wut. All diese Mütter, Großmütter und Urgroßmütter. Alle Frauen der Geschichte, die große Opfer auf dem steinigen Weg zur Gleichberechtigung bringen mussten.
Auf der Suche nach den Ursprüngen von Female Rage taucht Tara-Louise Wittwer (Sorry, aber …) in die europäische Geschichte ein und erzählt die ungehörten Geschichten der Frauen, die sich gegen das männliche Narrativ der Schwäche und Passivität gestemmt haben. Von den Sagen der Antike, bis zur Realität des 21. Jahrhunderts, von Giulia Tofana, der legendären Giftmischerin, bis zu den unbekannten Heldinnen des Alltags.
Die SPIEGEL-Bestseller-Autorin bringt tiefsitzende, über Generationen vererbte patriarchale Narrative ans Licht, mit denen nur ein Ziel verfolgt wurde: Frauen zu schwächen, zu verunsichern und mundtot zu machen. Wir leben in einer Gesellschaft, die Frauen systematisch Unrecht tut und verhindern will, dass sie sich gegenseitig stärken. Doch die Zeit der Pick-me-Girls ist vorbei und Frauen müssen sich miteinander solidarisieren.
Tara-Louise Wittwer zeigt, was Frauen erreichen können, wenn sie zusammenhalten, damit ihre Wut irgendwann heilen kann.
240 Seiten, ISBN 9783426562468, Knaur, 18€